Die SMS Emden tötete etwa 370 Menschen.
»Wisst ihr noch, wie wir gehaust haben in den strotzenden Fruchtgärten Ponapes, wie der Reichtum eines ganzen Volkes in wenigen Tagen von euch verschleudert und vernichtet wurde? Denn ihr wäret mit mir im Krieg gegen Rebellen. Wisst ihr's noch, wie wir sengend und brennend durch das blühende Land zogen, wehende Rauchsäulen verbrennender Dörfer als Wegweiser des Tags, als leuchtende Fackel des Nachts?«  ( Edgar vom Spiegel von und zu Peckelsheim, Kommandant SMS Cormoran. die mit SMS Nürnberg und SMS Emden gegen die Aufständischen  von Ponape kämpfte, zitiert nach Thomas Morlang, "Rebellion in der Südsee, S.160)

Die SPD war im Jahre 1914 schon einmal schlauer als 2014, als sie die SMS Emden zur Ehre der Altäre erhob. Man muss natürlich zugeben, dass dies im Berliner Reichstag geschah und nicht im provinziellen Emden, und noch vor der Selbst-Versenkung (die meist fälschlich Untergang genannt wird) des "Heldenkreuzers" (Nazi-Jargon) SMS Emden. Der SPS-Abgeordnete Alfred Henken kennzeichnete die Rolle der SMS Emden für die koloniale Unterdrückung  und verwendete in seiner Rede am 9.März 1914 dabei genau das obige Zitat.

Insgesamt ungefähr 370 Menschen fielen der SMS Emden zum Opfer, eine Tatsache, die im ganzen Heldenrummel immer gern  unterschlagen wird. Vom 21.9. - 30.11.2014 fand eine Ausstellung über "Mythos und Wirklichkeit der SMS Emden" statt. Wieviel Mythos, wieviel Wirklichkeit? Diese Frage wird sicher bei Durchsicht des Begleitbandes etwas leichter zu beantworten sein. Ich habe ihn schon einmal durchgeblättert und von Toten nicht viel gefunden. Die Ausstellung wurde jedenfalls von den Beschäftigten des Landesmuseums erstellt, von denen einige in führender Position im Traditionsverein der SMS Emden sind. Der Kontakt zum "Freundeskreis Marineschiff Emden" kann dann auch über den neuen Leiter des Ostfriesischen Landesmuseums, Herrn Dr Wolfgang Jahn, hergestellt werden.  Aber am 26.9.2014 war es am Ende doch  so weit. Ein herber Rückschlag war zu verzeichnen. Laut Ostfriesen Zeitung nahm die Stadt Emden nun Abstand von dem Plan, nach 1933 zum zweiten Mal eine Straße nach Karl von Müller zu benennen, "wegen seiner rassenbiologischen Äußerungen". Ein friedlicherer Name wurde gefunden.Für eine neue SMS Emden setzt man sich weiterhin ein. Zur Begründung des Beitritts zum Förderverein Marineschiff Emden führt die Stadt ihre maritime Tradition an. Sie führt diese auf Friedrich Wilhelm von Preußen zurück. Der handelte mit Sklaven. Das ist zwar in der der ganzen Bundesrepublik bekannt, anscheinend aber noch nicht in Emden. Ich habe einen Artikel über den Beginn der martitimen Tradition Emdens mit dem Sklavenhandel geschrieben und erweitert. Mittlerweile ist mir an diesem Beispiel klar geworden, dass es sich hier um einen generell unkritischen Umgang derStadt mit ihrer eigenen Geschichte handelt. Vom Sklavenhandel geht über die Niederschlagung des Aufstandes in der Südsee und die anschließende Einweihung des "Ehrenmals" für den "Heldenkreuzer" unter den Faschisten des Jahres 1934 bis ins Jahr 2014 mit dem nochmaligen Aufwärmen der Geschichte durch den Rat der Stadt eine gerade Linie. Man muss hier wohl von einer Tardition des kolonialistischen Denkens in Emden sprechen. Das geschieht aber natürlich alles untergründig, unbewusst, und darauf angesprochen, würde jeder - vielleicht sogar mit einigem Recht -,  jede böse Absicht verneinen. Wahrscheinlich handelt es sich tatsächlich um reine Gedankenlosigkeit. Ein Verdacht stellt sich jedoch trotzdem  ein. Jeder ist schließlich auch für seine eigene Gedankenlosigkeit verantwortlich.

Am 28.10.1914 kam für die SMS Emden die Stunde der Wahrheit. Das ganze Gerede von den "Gentlemen of War" hin oder her, im Hafen von Penang ging die SMS Emden ihrer Bestimmung als Tötungsmaschine nach und versenkte zwei feindliche Schiffe. Dabei schickte sie 134 Seeleute und 60 Prostituierte  in den Tod. Auf www.stahlgewitter.com/14_10_30.htm ist unter "Der Weltkrieg am 30.Oktober1914 vermerkt: "Eine neue Heldentat der 'Emden'". Zwanzig Jahre später weihten die Nazis an genau diesem Tag demonstrativ das triumphale "Ehrenmal" für die SMS Emden mit allem faschistischen Pomp ein. Die SMS Emden war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Sie hatte im 1000-jährigen Reich die Unsterblichkeit erreicht. Damit hätte man es gut sein lassen können. Doch auch heute wieder, nach zwei verlorenen Weltkriegen, geht der Spuk weiter. Im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden steht noch heute das Nazi-Ehrenmal von 1934, aus dem man nur sehr indirekt auf  die vielen Toten schließen kann, die der SMS Emden zum Opfer fielen. Heute, 80 Jahre nach dem Nazi-Schauspiel der Einweihung, 100 Jahre nach der "Heldentat" der SMS Emden mit 134 Toten in Penang, für den heutigen Besucher ist es an der Zeit und angemessen, inne zu halten und der toten russischen und französischen Seeleute zu gedenken. Dann vielleicht hat die Zur-Schau-Stellung dieses "Ehrenmals", auf Umwegen, vielleicht doch noch einen Sinn. Vielleicht wird eines Tages, nach zwei verlorenen Weltkriegen, etwas verspätet, auch in Emden doch noch ein Umdenken beginnen und die reflexhafte Verehrung, die einem Kriegsschiff zuteil wird, endlich ihren Abschluss finden.. (Über die Erinnerungen in Emden und in Penang).

Eher zufällig habe ich eine Liste mit der Besatzung der SMS Emden gefunden. Die Seeleute stammtem aus ganz Deutschland. Auch die Toten bei der Selbst-Versenkung sind verzeichnet. Hier ist die Liste der Besatzung.

Was noch zu beachten ist, welche Wirkung die  überwältigenden Zustimmung der SPD-Ratsmitglieder am 3.7.2014 zum Beitritt zu einem Traditionsverein für ein kaiserliches Kriegsschiff auf das Selbstbild und das Geschichtsbewusstsein der SPD Emden haben wird. Was werden die einfachen Genossen denken? Anscheinend hat man sich darüber wohl noch keine Gedanken gemacht. Deshalb möchte ich dazu ein paar Fragen und gründliche Zweifel anschließen. Verleugnet hier die SPD sich wieder einmal selbst, ihre eigene Geschichte? 2002 in einer Festschrift von "Emden unter der roten Fahne" 1918 schwärmen und 2014 dem Traditionsverein für das  kaiserliche Kriegsschiff SMS Emden  (370 Tote) beitreten, das sich 1914 selbst versenkte. Können die Traditionen der SPD Emden und der SMS Emden kompatibel sein? Wie passen die schwarz - weiß -rote Reichskriegsflagge und die rote Fahne von 1918 zusammen?

Meine Gedanken an den Ersten Weltkrieg sind von etwas ganz anderem geprägt, vom Tod meines Großvaters väterlicherseits. Da ist kein Jubel oder Stolz.

Ich dachte schon lange, noch eine eigene abschließende Ausstellung mit den Ergebnissen meiner zweijährigen Auseinandersetzung mit dem Thema zu machen. Leider sieht es sehr schwierig aus, geeignete Räume und ein paar Stellwände zu finden. Deshalb stelle ich meine Ergebnisse schon einmal ins Internet, zusätzlich noch eine kurze, knappe Präsentation (auch als Argumentationshilfe gegenüber denjenigen, die die SMS Emden immer noch hartnäckig für einen Ausflugsdampfer halten (ergänzt).

In gewissem Sinne ist die SMS Emden eine Fata Morgana, ein Geisterschiff, ein Gespenst, das durch die Zeiten irrt. Sie war sicher eine erfolgreiche Tötungsmaschine. Und sie hatte, vom Zeitpunkt ihrer Versenkung durch den Kapitän, die beste PR, die man sich vorstellen kann. Die beiden Kapitäne, von Müller und von Mücke, Repräsentanten des alten kaiserlichen Regimes, tingelten durch das Reich und hielten Vorträge über ihre Heldentaten. Es gab Filme über die SMS Emden, den letzten 2013. Auch heute noch kann man Mützen, Münzen und Modelle des Schiffes im Internet kaufen. Beim "Förderkreis Marineschiff Emden" gibt es eine Jacke für 95€.

Inzwischen, 100 Jahre später, ist es dann wohl doch an der Zeit, die nationalistische Begeisterung hinter sich zu lassen und ein wenig nachzudenken. Wäre ich Theologe, würde ich von "Entmythologisierung" sprechen, so nenne ich es  die Dekonstruktion eines uralten Mythos, eines archaischen  Kults
Eine schriftliche Ergänzung und ein Überblick ist hier zu haben. Ich glaube jetzt, ohne die Wirkung der damaligen Popkultur ist dier ganze Rummel um die SMS Emden nicht zu verstehen. Ich habe ein paar Beispiele aus damaliger Zeit zusammengetragen.. Aber heute noch gibt es für den, der beispielsweise SMS Emden bei google eingibt, jede Menge an Angeboten von Devotionalien: Münzen, Mützen, Modell-Bausätze usw. Hier gehr es zu SMS Emden - Popkultur. Inzwischen habe ich den Begriff "Kriegskitsch" gefunden. Ich habe ihn in einer Unter-Überschrift verwendet. Gleichzeitig habe ich ein neues Beispiel der vaterländischen Propaganda hinzugefügt, das ich Gerd Wendt verdanke, der es mir von einem Flohmarkt-Besuch mit gebracht hat.

 
Am 31.Januar2013 kam der Kriegs-Film "Die Männer der Emden" in die deutschen Kinos. Er zeigt die "heldenhaften Recken" auf ihrem Heimweg ins Kaiserreich. Wie mir berichtet wurde, vermeidet der Film alle Erwähnungen politischer Geschehnisse möglichst sorgfältig. Wir tun das nicht. Wir wollen die Ereignisse rund um die "Emden" möglichst klar darstellen. Dabei blättert der Lack.

Etwas, was bei allen Betrachtungen über die SMS Emden fast nie zur Sprache kommt, ist die Frage der Kriegsziele Deutschlands im Pazifik. Ab und zu kann man einige zaghafte Bemerkungen zu Kaperfahrten und Kreuzerkrieg lesen. Aber das war's dann auch schon. Genauere Pläne, zur Bombardierung australischer Städte? Fehlanzeige. Ich habe hier einiges nachgetragen.

1934 wurde der Film "Heldentum und Todeskampf unserer Emden" gedreht. Er wurde  nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten verboten.
http://filmlisten.forumo.de/sonstiges-f15/nationalsozialistische-propagandafilme-komplettliste-t44.html



Seit wir 2006 Anfang Januar unsere Seite ins Netz stellten, hat sich in Emden vieles geändert. 2007 wurde Hitler die Ehrenbürgerwürde aberkannt, 2008 ein Gedenkstein für die 1944/1945 verhungerten Zwangsarbeiter-Kinder enthüllt, 2010 ein Gedenkstein für die 1944 gehenkten Ukrainer gestiftet, und 2012 wurden in Emden die ersten Stolpersteine verlegt. 

Die Ausstellung, bei der meine Aus führungen das Beiprogramm waren, ist nun beendet. Doch trotzdem soll der Link zur VVN nicht verloren gehen:
VVN-BdA Ostfriesland e.V.


2012 lief als erster Film beim Filmfest ein Kriegsfilm, der sich dem Mythos der „Männer der Emden“ widmete. Zuvor hatte es ein Theaterstück in der verlassenen Kaserne gegeben. Das veranlasste mich dazu, mich mit der Rolle des Militärs und der Kaserne im Faschismus zu beschäftigen. Mir waren schon vorher im Archiv Zeitungen von 1934 aufgefallen, in denen ein wahrer Wirbel um das 1914 versenkte Schiff gemacht wurde. Das war mein Ausgangspunkt. Bei den Berichten über den Untergang fiel mir zuerst auf, dass der vorangegangene Kampf gegen den australischen Kreuzer Sydney von vorne herein aussichtslos war, da die „Emden“ von der Bewaffnung her unterlegen war. Mein wikepedia-Studium lehrte mich dann, dass im beginnenden Ersten Weltkrieg die Hauptaufgabe der „Emden“ die Versenkung feindlicher Handelsschiffe war, die sie auch blendend erledigte. Gemäß Kriegsrecht war das wohl alles völlig legitim. Aber ins Nachdenken kann man dabei schon kommen. Besonders tapfer ist das jedenfalls nicht.

 Anfangs übersehen habe ich wohl den Abschnitt, der von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg handelte.
Der war der eigentlich interessante. Aus ihm wurde klar, dass die „Emden“ hauptsächlich der imperialen Machtentfaltung diente. Ich las von der Strafexpedition gegen die Sokehs auf den Karolinen-Inseln, die mit 17 Hinrichtungen und der Deportation von 500 Menschen endete. Die "Zeit" hat 2010 unter dem Titel "Grausame Räuber, die wir waren", einen Artikel  über die erbarmungslose Niederschlagung des Aufstandes berichtet http://www.zeit.de/2010/39/Kolonie-Ponape.

Zufällig fiel mir noch in der Zeitung ein Bericht über die Hunnen-Rede Wilhelms II in die Hände, und mir war alles klar. Früher schon hatte ich ein Foto des Bundesarchivs im Internet gefunden, das zeigte, wie zwei Bundeswehr-Soldaten vor dem Ehrenmal von 1934 Wache standen, 59 Jahre nach der Versenkung des Schiffs. Die Traditionslinien waren also klar. In der heutigen Sprache ausgedrückt, würde man von einem „Emden-Fake“ sprechen.
Kurz vor der Hinrichtung

Einweihung mit Hitlergruß

Bundeswehr an der Ehrentafel von 1934

1911  Kurz vor der Hinrichtung              1934    mit deutschem Gruß                                                      1973  Die Bundeswehr

Da ich nun schon bei Legenden war, fiel mir sogleich der 6. September ein. Auch der hat ja, trotz allem, einen merkwürdigen Beigeschmack. Es ist alles so sehr selbstbezogen. 1944 war in Emden ein sehr grausames Jahr für die Zwangsarbeiter. Es begann am 26. Januar mit der Erhängung von fünf Ukrainern. Dann kam der 6. September. Eine Woche und einen Tag später wurden drei Niederländer erschossen. Am Ende des Jahres schließlich verhungerten sieben Zwangsarbeiter-Säuglinge. Beim Gedenken am 6. September wird für gewöhnlich kein Zusammenhang zwischen den Ereignissen hergestellt.

Wir haben es meiner Meinung nach hier mit zwei Legenden zu tun, die der richtigen Erkenntnis der Zeit des Faschismus in der Stadt entgegenstehen und die Erinnerung erschweren.

Ich habe deswegen diese Legenden näher untersucht und, parallel zur Ausstellung über Neofaschismus in Deutschland der VVN vom 9.-23.11.2012 darüber eine Ausstellung gemacht. Es wurde zuerst ziemlich lang, viel Text, aber alle nötigen Fakten waren ausführlich dargelegt. Dies ist jetzt das Begleitheft geworden, inzwischen  erweitert um einen Ausblick auf die gesamte deutsche Kolonisation in der Südsee.  Etwas gekürzt wurde daraus die Ausstellung. Stellenweise gibt es Überschneidungen. Ich habe weiteres Material gefunden, das ich in einer Art abschließender Betrachtung veröffentlichen möchte (hier), jetzt ergänzt durch einen Hinweis, der auf eine rassistische Enstellung von Müllers schließen lässt. Eine Mythos erklären ist wie einen Witz erklären. Man macht sich dadurch unbeliebt. Aber manchmal ist das halt notwenig. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Emden-Trubel weiter. Die leichte Braun-Färbung des Mythos machte da nichts. Sie fiel nicht auf. In Mythos,Propaganda, Wirklichkeit habe ich die doch recht einfachen Zusammenhänge erklärt, die hinter dem "Mythos"-Gerede zu erkennen sind.

Besonders, als die Bundeswehr sich 1964 der 1945 untergegangen geglaubten Traditionen annahm, kamen die Negativ-Symbole der Emder Geschichte wieder voll zur Geltung.

Mir fiel dann noch der Sklavenhandel des Großen Kurfürsten ein, den er über eine Kompanie in Emden abwickelte. Wenn jemand Interesse hat, könnte ja er oder sie odder auch eine Gruppe sich des Themas der kolonialen Vergangenheit Emdens annehmen, zu dem ja die SMS Emden natürlich auch gehört. Ich habe schon erste Vorschläge gemacht.

Manchmal sind wiedergegebene Dokumente etwas schwerer zu lesen. Das ist im Druck leider nicht zu ändern. Beim Betrachten ist es jedoch möglich, den Zoomfaktor unter „Ansicht“ auf 400% zu stellen.

Aus alledem ist jetzt für mich so eine Art Resümee geworden. Bei der Betrachtung der letzten 100 Jahre Schiffs- und Stadt-Geschichte sind mir viele Zusammenhänge erst richtig klar geworden, auch da, wo in Emden Zusammenänge nicht so gern gesehen werden.

De, die Kriege befürworten und verherrlichen, ignorieren auch schon einmal ein paar Fakten, sehen Zusammenhänge nicht oder wollen sie nicht sehen. Aber meist gibt es sie. Quod erat demonstrandum (Was zu beweisen war, auch in diesem Fall). Wahrheit passt nicht zu Krieg.

Zum Schluß noch einmal eine Übersicht in 10 Bildern. Natürlich empfiehlt es sich, vorher den Kult zu lesen. Auch Emden-postkolonial wäre ganz hilfreich.

100 Jahre Erster WeltkriegDie alte WacheDas Ehrenmal von 1934Die Toten
Die Rädelsführer warten auf die HinrichtungSMS Emden beschießt MadrasSMS Emden versenkt 2 SchiffeSMS Emden versenkt sich selbst
Grund zum Feiern?Hintergrund

Zum Verständnis der SMS-Emden-Affäre müssen die letzten 100 Jahre der deutschen Geschichte herangezogen werden.

Eine ganze Reihe von Historikern spricht von einem 30-jährigen Krieg im Europa des letzten Jahrhunderts, der von 1914 bis 1945 dauerte So lange dauerte auch der Kult um die SMS Emden, vom vordemokratischen Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in die Nazizeit.

Er dauerte auch noch darüber hinaus, in die Restauration unter Adenauer, mit dem Höhepunkt der Remilitarisierung, bis heute.

Die Wiederbewaffnung war für Emden wichtig bei dieser Rolle rückwärts. 21 Jahre nach der Umbenennung der Karl-von Müller-Straße im Jahr 1946 (sie war ihm im März 1933 gewidmet worden), bekam die Kaserne seinen Namen. Die Kanonen vom Sklaven-Fort Groß Friedrichsburg in Westafrika kamen ebenso an die Kaserne wie das Ehrenmal von 1934, vor dem nun Bundeswehr-Soldaten Ehrenwache hielten.

Von den Änderungen nach der Befreiung war wenig geblieben. Dass die Kasrne letztlich verschwand, ebenso wie dann das 5. Nachfolgeschiff, war reiner Zufall.

Dass in Emden nicht ein zweites Mal eine Karl-von-Müller-
Straße erhielt, war auch mehr oder minder Zufall. Man hatte plötzlich seine Einlassungen zur Rassenfrage entdeckt.



SMS Emden. Heldengedenken

Ziemlich lange beschäftige ich mich nun schon mit der Affäre SMS Emden. Ich habe vieles geschrieben, das auf dieser Seite (Links eingeschlossen) zu finden ist. Ich habe mich entschlossen, die wichtigsten Dinge in einem kleinen Buch zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Der Titel Ist "SMS Emden. Heldengedenktage". Der letzte war wohl am 3.7.2014, als die Stadt dem Traditionsverein für das Kriegsschiff beitrat.

Als letztes Kapitel soll die Beteiligung Emdens am Sklavenhandel dabei sein. Das habe ich mir nicht selbst ausgesucht. In der Ratsvorlage zum Beitritt der Stadt zum Verein zur Pflege der Tradition des „Marineschiffs“ (damit ist das Kriegsschiff gemeint) wird auf den Sklaven handelnden Potentaten Friedrich Wilelm von Preußen als den Begründer der Emder maritimen Tradition verwiesen.

300 Jahre Kolonialismus, zuerst preußischer in Afrika, dann deutscher in der Südsee zu Afang des letzten Jahrhunderts, zu dem die SMS Emden ihren Beitrag leistete. Welche Tradition!

Das Buch kann bei  epubli.de bestellt werden, ist aber auch im Buchhandel

(ISBN: 978-3-7450-0023-8) für 19,90€ erhältlich.

 

Eine schriftliche Zusammenfassung ist hier zu haben.

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