Großer Kurfürst, Emden, KnockKanonen aus Afrika
Erläuterungen
Auf der Tafel  zu den Kanonen wird der Zusammenhang des Forts mit dem Sklavenhandel nicht ersichtlich, obwohl dieser zum Zeitpunkt der Aufstellung auch in Ostfriesland bereits bekannt war und in einer örtlichen Zeitung erwähnt wurde.

Der Grausamkeit und Unterdrückung, die der preußische Staat (und sein jeweiliger Herrscher) nach außen ausübten, entsprachen die Grausamkeit und die Unterdrückung im Inneren. Schließlich wurde erst 1807 die Leibeigenschaft in Preußen aufgehoben. Bis 1918 konnte im preußisch-deutschen Staat von Demokratie wohl keine Rede sein.

Ab dem 17. Jahrhundert gab es an europäischen Fürstenhäusern (auch in Ostfriesland) die Mode, sich einen Mohren zuzulegen. Spätestens seit 1677 lebte ein Mohr am Hof in Aurich.  Auch ein Türke und eine Türkin  befanden sich da. Sie wurden entlohnt, mit Geld, aber auch mit Naturalien. (Anne Kuhlmann-Smimow  "Schwarze Europäer im Alten Reich: Handel, Migration, Hof", Göttingen, 2014, S.165)

Im 19. und 20. Jahhundert strömten die Menschen scharenweise zu den sogenannten Völkerschauen. Zwischen 1870 und 1940 gab es viele Menschenzoos in Europa. Im Jahr 2002 fand in Namur/Belgien die Ausstellung eines Pygmäen-Dorfes mit Einwohnern statt. Reinhold Messner, der ein großer Verehrer Leni Riefenstahls ist, berichtete 2002 im "Kulturreport" von seinen Plänen, im "Messner Mountain Museum" u.a. auch lebende Bergvölker zu präsentieren.




In Groß-Friedrichsburg im heutigen Ghana standen diese Kanonen und sicherten dort im 17./18.  Jahrhundert den Sklavenhandel in die Karibik. Der Große Kurfürst (Bild oben links) hatte eine Handelskompanie in Emden gegründet (die churfürstlich-afrikanisch-brandenburgische Compagnie CABC), über die er seinen Dreiecks-Handel abwickelte: Waffen und Nippes nach Afrika, die er dort gegen Sklaven eintauschte, welche von da, gebrandmarkt mit CABC, in die Karibik geschafft wurden.Dafür bekam er Gewürze für Europa. Er soll an Tausenden von Sklaven bis zu seinem Tod 1688 gutes  Geld verdient haben. 1721 ging die Firma dann allerdings pleite.  Näheres ist in "Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr", Heft 1986/4 im Stadtarchiv Emden  zu lesen. Vor einigen Jahren wurde in Emden  eine Kampagne von preußen-treuen Bürgern in einer Zeitung entfacht, den Großen Kurfürsten wieder mitten in die Stadt zu holen. Das misslang jedoch, da der Eigentümer, der Entwässerungs-Verband, das Stück nicht hergeben wollte. So muss er an der Knock stehen bleiben und über die Meere in die Ferne schauen, wo seine Schiffe einst für ihn den lukrativen Sklaven-Handel betrieben. http://www.ubbo-emmius-gesellschaft.de/Sklaven.pdf. In Emden blieb das lange Zeit verborgen. Das scheint sich aber nun zu ändern (2017/2018).

Sokehs kurz vor ihrer Hinrichtung

Der Blick in die Emder koloniale Vergangenheit kann da nicht stehen bleiben. Erst vor wenig mehr als 100 Jahren, vor und in dem Ersten Weltkrieg spielte Emden für den, jetzt deutschen, Kolonialismus, wieder seine Rolle, durch
das Kriegsschiff SMS Emden. Sie tat Dienst im pazifischen deutschen Kolonialreich. Im Jahr 1911 war, mit ihrer Hilfe  , der Aufstand eines Volkes, der Sokehs, im heutigen Mikronesien, blutig und mit der Taktik der verbrannten Erde niedergeschlagen worden. 15 oder 17 "Rädelsführer" wurden am 22. Februar 1911 hingerichtet Heute ist der 22. Februar Nationalfeiertag in Mikronesien. http://www.zeit.de/2010/39/Kolonie-Ponape.

Im Jahr 1913 nahm die SMS Emden an der Niederschlagung einer Revolte in China, damals noch gemeinsam mit britischen und japanischen Schiffen, teil. "Sie schoß ein Rebellen-Fort in die Unterwerfung", hieß es.   Ende 1914 waren die SMS Emden, die deutsche Marine und das deutsche Kolonialreich aus dem Pazifik verschwunden.

Michael Skoruppa
HomeVielleicht ergibt sich  ja die Gelegenheit, eine Website aufzumachen unter dem Titel: Emden-postkolonial